Antaragni 09 – I am the Change

27. Oktober 2009

Bereits im Juli haben mir meine Kommilitonen gesagt, dass ich mich unbedingt auf “Antaragni 09” freuen müsste… Das größte, ja beste Fest im ganzen Jahr, in ganz Indien. Besonders meine männlichen Kommilitonen konnten Antaragni nicht erwarten… Ich bin auch nicht enttäuscht worden :-) Für vier Tage kamen Studenten aus ganz Indien nach Kanpur. Der Campus war so voll wie ich ihn noch nie gesehen habe. Beinahe rund um die Uhr gab es Events. Abends live Auftritte und Djs. Man wünscht sich so ein Festival öfter… Das Budget war auch äußerst beeindruckend: 7.5 millionen Rs (rund 100‘000 Euro). Noch beeindruckender ist jedoch, dass das Budget rein durch Werbung finanziert wurde… Natürlich hat man mich und Sebou ( den Franzosen) überreden können auch bei einer der vielen Shows mitzumachen. Im Gegensatz zu den anderen Teams, welche die Wettbewerbe sehr ernst nahmen und sich über 4 oder 6 Wochen hinweg vorbereitet haben sah unser Organisator die Sache etwas pragmatischer… Dreimal ein wenig üben und dann muss das schon klappen. Die 200 Euro Budget, die er zur Verfügung hatte hingen ja nicht von Erfolg oder Mißerfolg ab… Wofür wie das Budget jedoch gebraucht haben bleibt mir ein Rätsel. Aber er hatte einen schönen neuen Anzug. Und wir mächtig Spaß. Bollywood wir kommen. Dafür haben meine Tanzpartnerin und ich beim Salsa tanzen gewonnen. Warum das, keine Ahnung… Ich glaub wir waren einfach gut ;-) Ein schönes verlängertes Wochenende. Leider nur zu kurz.

Agra – Taj Mahal

11. Oktober 2009

Dank einiger Feiertage und der Midtermwelle fielen (und fallen) sehr viele Vorlesungen aus. Da ich mit meinen VL “Glück” hatte und wir nicht überall Midterms schreiben müssen bleibt mir also etwas Zeit. Das Wochenende haben wir (Justin ein Ami und ich) genutzt um nach Agra zu fahren. Endlich sehe ich nach fast drei Monaten Indien das Taj Mahal auch einmal… Der Anblick haben für die 5h Autofahrt wirklich entschädigt! Es ist noch viel besser als auf Fotos oder diversen Postkarten. Allerdings schiebt sich ein recht eindrucksvoller Menschenstrom aus indischen und nicht-indischen Touristen durch die Anlage… Am Abend hatten wir etwas Pech, da die Sonne etwas zu früh hinter einer Wolken/Dunstschicht verschwunden ist. Daher hieß: Sonntag um 5:30 aufstehen um den Sonnenaufgang zu erleben. Auch wenn der Eintritt mit 750 Rs. (in etwa 11 Euro) zzgl. der “gehen sie über Los und stehen sie nicht in der Schlange an”-Gebühr etwas happig ist… Agra Fort hat mit dem Taj Mahal nicht mithalten können (aber welches Monument kann das schon…) – zumindest hat man das Taj sehr schön aus einiger Distanz sehen können. Natürlich haben wir auch die lokalen (sehr überfüllten) Märkte erkundigt. Den freundlichen und aufgeschlossenen “Namasteee” Rufen, war zu entnehmen, dass Touristen eher selten auf den indischen Basars shoppen gehen… Das erfolgreiche Wochenende haben wir mit einer Dose “Red Bull” ordentlich gefeiert. Zwar kostet es in Indien nur knapp die Hälfte (schmeckt aber gleich) – mit 75 Rs. entspricht das jedoch fast einem indischen Tageslohn… Guddu, unser zuverlässiger Fahrer hat uns auch wieder sicher nach Kanur zurückgebracht und so heißt es dann in den nächsten Tagen Studienarbeit schreiben…

Ladakh – Little Tibet in Indien

8. Oktober 2009

Wie sich das für eine ansändige Uni gehört haben die Studenten am IIT Kanpur im Herbst für eine Woche frei. Die Zeit haben Sebou (ein Franzose) und ich genutzt um eine Woche nach Ladakh zu fliegen. Ladakh liegt im Nordwesten Indiens zwischen Pakistan und China. Das macht sich auch in der Militärpräsenz bemerkbar. Wir sind nach Leh geflogen, der „Touristenhochburg“, die im September jedoch schon ziemlich verlassen war… Leh liegt auf 3500 m Höhe und besitzt einen der am höchsten gelegenen Flugplätze (die Fahrt von Delhi nach Leh dauert 3 Tage…). Die Höhe macht sich sehr bemerkbar, am ersten Tag kann man außer schlafen relativ wenig unternehmen. Relativ schnell ist man aber an die neuen Höhenverhältnisse gewöhnt und kann anfangen kleinere oder größere Trekkingtouren zu unternehmen. Per Jeep ging es für uns über den höchsten mit motorisiertem Gerät passierbaren Pass der Welt ins Nubra Valley. Unser Guide kümmerte sich darum, dass wir die Unterlagen bekamen, die für eine Reise ins Nubra Valley nötig waren. Auf den engen Serpentinen teilten wir uns die Straße mit dem wohl längsten Militärkonvoi, den ich je gesehen habe (und der kam uns natürlich entgegen…). Die Reise hat sich jedoch mehr als gelohnt:  der Anblick der über den Dünen von Nubra Valley aufgehenden Sonne hat für die holprigen engen Straßen mehr als entschädigt.

Neben den vielen schönen buddhistischen Klöstern (der Einfluss Tibets ist nicht zu übersehen) waren insbesondere die Menschen in Ladakh ein Highlight der Reise. Ladakhis haben stets ein fröhliches „Julay“ auf den Lippen, sind scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen, und lassen sich ihre gute Laune auch nicht von den harschen Lebensbedingungen verderben. Im Winter fällt das Thermometer des Öfteren unter -30 Grad… Aus den 50‘000 Bewohnern der Stadt (Hauptsaison) werden im Winter schon einmal 6‘000. Neben gebürtigen Ladakhis finden sich in Leh auch viele Inder aus anderen Regionen des Landes. Nach der Saison in Ladakh geht es für sie dann weiter nach Goa…

Als ob die Serpentinen nach Nubra Valley nicht schon genug gewesen wären: mein Trekking Guide hat mich schließlich dazu überredet uns ein Motorrad zu mieten und in sein Heimatdorf zu fahren. Ich hatte auf der Hinfahrt das Gefühl er hatte soviel Ahnung von Motorrad fahren wie ich… Auf der Rückfahrt klappte es jedoch mit Kuppeln, Schalten und Bremsen… Die etwa dreistündige Reise hat sich dann jedoch gelohnt: von seiner Familie wurden wir sehr herzlich mit ausgezeichnetem Essen empfangen. Für den Fall der Fälle habe ich immer ein paar Kindergeschenke im Gepäck – worüber sich die Cousinen und Cousins auch sehr gefreut haben.

Die Woche in Ladakh verging leider zu schnell. Ich bin immer wieder erstaunt, wie vielfältig Indien ist und kann es fast nicht erwarten zu erfahren, womit ich als nächstes überrascht werde… Dass wir auf unserem Rückflug etwas Pech hatten und in Delhi übernachten mussten (der Streik von IA zeigte seine Nachwirkungen) passte irgendwie ganz gut… Fast schien es als ginge alles nach Plan.

Allahabad und Varanasi

17. August 2009

Irgendwie hatte ich mit dem Zeitpunkt meines Indienaufenthaltes Glück: August – Dezember sind nicht nur kühlere Monate (verglichen mit April – Juni ), sondern auch viel reicher an Festen und Feierlichkeiten. Besonders auf den Oktober müsse ich mich freuen hat man mich vorgewarnt. Zuerst haben wir aber einmal den freien Freitag und das somit verlängerte Wochenende mit einem Ausflug nach Allahabad und Varanasi genossen. Beide Städte sind wichtige spirituelle Orte für Hindus. Nach Allahabad kommen alle 13 Jahre einige Millionen Pilger. Die Stadt versinkt dann ganz schön im Chaos. Hier fließen die beiden heiligen Flüsse Yamuna und Ganges zusammen (Sangam). In der Stadt waren glücklicherweise nicht viele Touristen, wir konnten uns daher in aller Ruhe die Sehenswürdigkeiten ansehen. Natürlich haben wir auch ein Boot genommen um die Vereinigung von Ganges und Yamuna aus nächster Nähe zu sehen – und einen Baba gleich mit dazu. Matt (aus den USA) hatte eine magische Anziehungskraft auf Babas (sah selbst aus wie einer), und so kam es, dass ihm der Baba auf dem Boot mit Flusswasser aus dem Ganges die Haare wusch. Getreu dem Motto „9 Jahre lang sind sie gewachsen, in 9 Minuten sind sie ab“ holte er eine Rasierklinge aus einer seiner vielen Taschen und wollte sich sogleich ans Werk machen – häufig kommen Gläubige nach Allahabad, um sich ihres Haares zu entledigen. Einige indische Touristen konnten sich vor Lachen nicht mehr halten, halfen uns aber dann den Baba davon zu überzeugen, dass Matt wirklich nicht sein Haupthaar verlieren möchte. Nach dieser äußerst spirituellen Erfahrung ging es weiter nach Varanasi. Man kann viel über die Stadt schreiben. Viele Menschen kommen zum Sterben hierher, viele waschen sich im Ganges von allen Sünden rein. Wir sind sehr früh (5 Uhr) an die Ghats gegangen und hatten Glück: außer gläubigen Hindus, Babas und Bootsbesitzern war noch niemand dort. Meine indischen Freunde hatten mich vor Varanasi gewarnt („the city of deceitful people“), aber wir hatten Glück. Mich hat die Stadt beeindruckt. Sie wirkte fast ein wenig wie eine Fabrik – Tote wurden dort rund um die Uhr verbrannt – und dennoch konnte man ihren spirituellen Charakter nicht leugnen. Die Stadt wirkte sehr viel anders als alle anderen indischen Städte, die ich bisher gesehen hatte. Im Boot ging es dann auf dem Ganges, vorbei an treibenden Leichen und toten Tieren die Ghats entlang wieder zurück zu unserem Hotel. Die Erwachsenen und Kinder haben sich entlang der Ghats mit dem Wasser die Zähne geputzt und es auch getrunken. Eine indische Kommilitonin war drei Wochen krank zu Hause, nachdem sie ein Bad im Ganges genommen hatte. Kein Zähneputzen, kein Trinken, nur kurzes Baden. Leider hat meine Kamera in Allahabad den Geist aufgegeben (ERR 99 – kommt wohl sehr häufig vor, Google kennt 2 Mio Eintrge dazu). Gerne hätte ich ihr etwas spirituelle Erlösung im Ganges gegönnt. Für ein besseres Karma. Im nächsten Kameraleben.

Chandigarh

17. August 2009

Ein Kommilitone hat mich übers Wochenende zu sich und seiner Familie nach Chandigarh eingeladen. Die Stadt liegt in Punjab, 13 Zugstunden von Kanpur entfernt. Theoretisch. Tatsächlich dauerte die erste Zugfahrt gut über 20 Stunden – wegen technischer Probleme. Vorteil: man hatte viel Zeit Fotos von der Landschaft zu schießen (der Zug fuhr nicht besonders schnell), Nachteil: vom Wochenende blieb dann nicht soviel übrig… Wir sind SL Klasse gefahren (Sleeper Klasse, keine Klimaanlage, kein nix, nur ne Pritsche und viele Menschen). Die Stadt Chandigarh selbst ist eine wirkliche Perle in Indien. Sie wurde von einem französischen Architekten entworfen und wird penibelst gepflegt und sauber gehalten. Kein Verkehrschaos, keine Müllberge, alles ist geordnet und sauber. Wie Europa. Wir haben uns am verbleibenden Tag einige Sehenswürdigkeiten angesehen, u.a. den Rockgarden. Danach blieb noch etwa Zeit seine Familie kennen zulernen. Ich bin auch gerade rechtzeitig zum Rakhi Fest gekommen – dem Fest von Bruder und Schwester. Und nachdem ich gerade keine Schwester parat hatte haben mich Triks Schwestern kurzerhand “adoptiert“. Die Heimreise selbst war dann angenehmer, wir waren fast pünktlich in Kanpur zurück. Nach einer ausgedehnten Dusche ging es dann auch wenig später in die Vorlesung.

Namasteeeee – Sicher in Indien angekommen

23. Juli 2009

Hmm, längere Zeit habe ich den Blog ja nicht aktualisiert… Vielleicht kommen noch Text und Bilder von der Abschlussfeier in den Blog :-D

Nachdem ich heil aus den USA zurückgekehrt bin und mich um die notwendigen Formalien gekümmert habe (Anerkennung der Auslandsleistungen etc.) konnte ich auch etwas Zeit mit meiner Familie verbringen. Leider waren die 4 Wochen, die mir zwischen der Rückkehr aus den USA und dem Flug nach Indien blieben nicht sonderlich lang. Immerhin habe ich sehr viele Freunde getroffen und auch einmal am Karate Training in Karlsruhe teilnehmen können.

Für die kommenden fünf Monate wird Indien mein zu Hause sein. Ich studiere ein Semester lang am IME Department des Indian Institute of Technology Kanpur, einem der besten, wenn nicht dem besten IIT. Ich habe auch das Glück ein Semesterstipendium des DAAD für das Vorhaben zu bekommen – um Flug- und Studienkosten muss ich mir erst einmal also keine Sorgen machen… Auch der Zuschuss für die Lebenshaltungskosten ist sehr großzügig. Am 16. Juli bin ich in Delhi angekommen. Den Hitze- Geruchs- und Chaosschock konnte ich erst einmal nicht bestätigen. Der Verkehr ist schon relativ geordnet – nur eben hierarchisch. LKWs und Busse haben immer Vorfahrt, Autos vor Motorrädern und Rickshas, heruntergekommene vor neuen Autos… Wenn man überholt hupt man. Manchmal auch zweimal. Nach einer Tagestour durch Old Delhi mit einigen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ging es am dritten Tag mit dem Zug nach Jaipur. Jaipur hat sehr beeindruckende Bauwerke vorzuweisen, der Stadtkern selbst ist pink. Mein Guide, ein ehemaliger Lehrer hat mich nach einer Tagestour auf einem Umweg zum Hotel gefahren. Wir sind 20 Minuten durch die Stadtteile gefahren, die man sonst als Tourist eher meidet. Es ist schwer dafür Worte zu finden und die monumentalen Bauten zu genießen, wenn man derartige Armut sieht. Ich dachte, was ich Jaipur gesehen habe wäre der Höhepunkt dessen, was ich zu sehen bekommen würde. Ich habe mich sehr geirrt. Schon bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof von Kanpur hat mich die triste Realität der Stadt begrüßt. Menschen, die in aus Plastiktüten erbauten Hütten hausen, umgeben von Morast und Abfall. Tausende Menschen.

Die Fahrt ans IIT Kanpur war nicht viel besser: erbärmlichste Behausungen, Millionen in totaler Armut lebende Menschen. Das Ausmaß dieser Armut kann man nicht glauben, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Campus dauerte ca. eine Stunde. Ich weiß nicht, wie viele Menschen man in einer solchen Großstadt (so belebt wie der Marienplatz an einem sonnigen Wochenende) innerhalb einer Stunde sieht. Aber es waren sehr viele. Der Campus war hingegen eine sehr positive Überraschung. Er ist durchaus mit dem westlicher Universitäten vergleichbar. Man ist in einer anderen Welt. Es gibt einige Tennisplätze, ein Fitnessstudio, ein Schwimmbad, ein Rechnerzentrum und klimatisierte Unterrichtssäle. Und Affen sowie frei laufende Pfauen.

Der Umgang am Campus ist äußerst kameradschaftlich. Man ist als europäischer Student eine Art „bunter Vogel“, was einige Vorteile, aber auch Nachteile hat. Man wird am Campus und besonders in der Stadt minutenlang von Menschengruppen ungläubig angestarrt. Es scheint, als ob sehr viele Menschen in Kanpur noch nie einen Europäer gesehen haben. Auf der anderen Seite sind jedoch alle Studenten und Mitarbeiter extrem hilfsbereit. Die Studenten sind alle sehr interessiert, offen und sehr angenehme Gesprächspartner. Damit ich einen besseren Kontakt zu den indischen Studenten habe bin ich nicht in das klimatisierte „Visitor‘s Hostel“, sondern in eines der Studentenwohnheime gezogen. Bisher habe ich die Entscheidung nicht bereut. Auch über das Essen kann ich mich nicht beklagen. Eigentlich finde ich es ausgezeichnet.


Hawai’i

8. Januar 2009

Als ob ich nicht schon während der Schulzeit wusste, dass Hawai’i ein etwas „besondererer“ Staat in den USA ist (ich hab in Englisch Facharbeit drüber geschrieben) – ich (dh. wir) habe es alle doch tatsächlich geschafft das amerikanische Festland hinter mir zu lassen und Hawaii zu besuchen. Anfangs sind wir bei Andy, einem Wiwi aus Karlsruhe der in Honolulu studiert, untergekommen. Derart hervorragend mit Insiderwissen ausgestattet haben wir die Insel O’ahu auch entsprechend effektiv erkunden können. Das öffentliche Verkehrssystem auf Hawaii (=der Bus) soll eines der besten in den USA sein. Man versuchte wenigstens nicht durch Fahrpläne zu suggerieren, dass man hier besonders viel Wert auf Pünktlichkeit legt. Hektik und Stress gibt es auf Hawaii per se nicht. Das ist nicht nur ein Vorurteil. Das ist so. Die Menschen sind noch freundlicher als schon in Kalifornien und man vertreibt sich die Zeit bis zum passenden Bus mit vielen Gesprächen. Dafür sind die Busfahrer überaus freundlich und hilfsbereit. Zu sehen und zu erleben gibt es auf O’ahu viel. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht nur ein begrenztes Zeitfenster zu haben – die Gefahr nichts zu sehen, weil man nur in den Tag hineinlebt ist sonst durchaus gegeben. Neben Jungle-Touren, Diamond Head Besichtigung stand auch eine Reise um die ganze Insel (inkl. Northshore) auf dem Programm. Auch für Surfen in Waikiki Beach und etwas sonnenbaden war Zeit. Honolulu wird vor allem von japanischen Touristen „dominiert“. Japan ist nicht weit, der Dollar ist im Vergleich zum Yen eher schwach – da verbringen viele junge Japaner ihren Honeymoon auf Hawaii.

Mit der Fähre ging es weiter nach Maui. Deutlich weniger Tourismus, deutlich mehr „Hang Loose“. Da hat es schon gepasst, dass wir uns im „Banana Bungalow“ einquartiert haben. Ein kleines Hostel umgeben von hunderten kleiner Bananenstauden (klein und groß). Eigentlich eher durch Zufall haben wir damit einen echten Volltreffer gelandet. Junge (oder auch ältere) Leute aus der ganzen Welt haben sich hier ein wenig vom Rest der Welt abgekoppelt. Von der Schweizer Privatkundenbetreuerin („na ja, Vermögensverwaltung für Kunden zwischen 5 und 100 Mio. Sfr auf unseren Konten“) bis zum italienischen Aussteiger („I was married three times, have five children and regret nothing“) war an sich alles vertreten. Hier verstanden sich sogar Australier und Neuseeländer. Tagsüber wurden gratis Touren angeboten – ich bin u.a. zum Wasserschildkrötenschnorcheln gefahren (hab sogar 4 gesehen…). Auf Maui haben wir dann auch Weihnachten gefeiert. Richtige „Weihnachtsstimmung“ kam aber nicht im entferntesten auf.

Fast schon etwas schwer viel die Reise zurück nach Honolulu (für Silvester). Hat sich aber schließlich doch gelohnt: viel gutes Feuerwerk. Nachdem nicht wenige Hostelbewohner aus Maui die Tage vor und nach Silvester auch auf O’ahu verbracht haben traf man auch viele bekannte Gesichter. Irgendwann war jedoch auch Hawaii einmal zu Ende. Wir traten bei warmen 23 Grad den Rückflug an – in Schenectady lag schon gut Schnee. Die Erkenntnis für unseren Ausflug nach Hawaii: ein Paradies in dem sich wohl nicht „wertschöpfend“ oder effektiv arbeiten lässt. Es ist aber gut zu wissen, dass es mitten im Pazifik ein paar kleine Inseln gibt, deren Bewohner sich auch vom Tourismus nicht aus der Ruhe bringen lassen und sich voll und ganz einem Leben nach dem Motto „Hang Loose“ verschrieben haben. Die Natur ist den Menschen dort wichtig, sie haben längst begriffen welchen Wert ein intaktes Ökosystem hat und setzten sich dafür ein, dass es so bleibt. Es wäre sicher treffender Hawaii nicht mit „lazy“ in Verbindung zu bringen – sondern mit „respektvoll“. Respektvoll im Umgang mit sich selbst, seinen Mitmenschen und der Umwelt.

Kalifornien

7. Januar 2009

Kurz nachdem wir bei Professor Otto und seiner Frau Judith auf ein Schweizer Käsefondue eingeladen waren ging es für Tommy und mich (und Sarah, Beatriz und Yuki) schon nach Kalifornien. Wir hatten zwei Mietwägen – im Voraus über eine deutsche Agentur gebucht. Ein wenig erstaunt waren wir dann doch, als wir erfahren haben, dass wir rund das doppelte hätten zahlen müssen (vor Ort) wenn wir die Autos nicht über das Internet gebucht hätten. Die erste Station unserer Reise war San Diego. San Diego ist berühmt für warmes Wetter, einen großen Zoo, einen riesigen Park, Strand und noch ein paar Sachen (z.B. den hässlichsten Christbaum der Welt). Während die Temperaturen im „heimischen“ NY immer weiter fielen konnten wir uns an ausgiebigen Strandspaziergängen bei Sonnenschein erfreuen. Die Leute vor Ort waren sehr aufgeschlossen, freundlich und kommunikativ. Etwas zum nachdenken angeregt haben allerdings die Gespräche mit einigen Gleichaltrigen (die gerade auf Heimaturlaub waren): für sie bestand die einzige Möglichkeit zu studieren darin, sich für das Militär (und damit fast automatisch für den Irak) zu verpflichten. Health care und Dental care waren aber auch included. Die jungen Männer mit denen ich mich unterhalten habe waren keine illegalen mexikanischen Einwanderer, die um jeden Preis die amerikanische Staatsbürgerschaft wollten, sondern junge, intelligente Amerikaner, die sich die Studiengebühren schlicht nicht leisten konnten (und wohl keinen Kredit bekamen). In den folgenden Wochen habe ich auch unzählige Amerikaner getroffen, die sich trotz drei- oder vierjährigen Studiums nur mit Mühe und vielen Jobs über Wasser halten können. Ein Bachelor ist hier nichts besonderes mehr. Man müsse schon einen Master machen, aber dafür fehlt das Geld. Bei 5$ Stundenlohn erahnt man schließlich auch warum so viele Unternehmen so effizient sind. Manchmal braucht man keinen Strand, keine 25 Grad und Sonne um sich für ein paar Momente glücklich schätzen zu können. Besonders gefreut hat mich ehrlich gesagt aber das durchwegs positive Bild, dass man von Deutschland hatte. Vor allem die Fußballweltmeisterschaft ist vielen Amerikanern (die eigentlich ja wenig mit Fußball am Hut haben) sehr positiv in Erinnerung geblieben. Wenn man dann noch erzählt hat, dass man zwar aus Deutschland, aber eigentlich aus Bayern (dem Land des Bieres, der Audis, BMWs, Autobahnen und des Oktoberfests) kommt war die Reaktion meist ein „ah, that explains why you are so friendly and open“ gefolgt von einem „is it true that you drink warm beer from those huge steins in Bavaria?“. Es scheint vielleicht etwas oberflächlich und abgedroschen wenn man ein Gespräch beginnt, indem man über Fußball, Bier und schnelle Autos spricht, aber das Eis war danach immer gebrochen.

Nach San Diego haben wir uns noch auf den Weg nach Los Angeles gemacht. Downtown Los Angeles war allerdings sehr enttäuschend. Auch von Hollywood hatten wir uns ein wenig mehr Glamour erwartet. Dafür kamen wir rechtzeitig für eine Street Parade. Nach ein paar Tagen Los Angeles ging es weiter nach Las Vegas. Die Finanzkrise hat auch dort sehr deutlich ihre Spuren hinterlassen. Die Hotels waren sehr günstig (50$ pro Nacht im 4* Hotel direkt am Strip – zu zweit). Die Rechnung sah dann mit dem Promotionsangeboten in etwa so aus: Tankgutschein (200$) , Freikarten für eine (wirklich phänomenale) Eisshow (etwa 120$). Kosten für 4 Tage Hotel: 200$. Es gibt auch Krisengewinner: uns. Ich hab auch in einer nicht enden wollenden Glückssträhne 12$ beim Glücksspielen gewonnen. Leider bin ich nicht so groß rausgekommen wie ich gehofft hatte.

Von Las Vegas zum Grand Canyon ist es auch nur ein Katzensprung (ca. 3 h Fahrt). Wir sind auf dem Weg auch am Hoover Damm vorbeigekommen und haben eine Zeitzone durchquert. Der Grand Canyon war äußerst beeindruckend. Man fühlt sich sehr klein und unbedeutend. Da haben wir uns auch die Chance den Skywalk zu betreten ( und einige hundert Meter tief in den Abgrund zu schauen) nicht nehmen lassen. Leider war Fotografieren „aus Sicherheitsgründen“ nicht erlaubt. „Wir möchten ja nicht, dass Sie aus Versehen ihre Kamera über die Brüstung in den Abgrund fallen lassen.“

Nicht weniger beeindrucken war Death Valley. Wir sind stundenlang durch das NICHTS gefahren (kein Radio, kein Handyempfang, kein Auto auf der Straße). Naja, hin und wieder kam mal ne Tankstelle: die haben dann aber auch gut 4$ für den Sprit verlang (statt 2$).

Nach dem Death Valley ging es weiter gen Norden nach San Francisco und Sacramento. In San Francisco konnten wir einige Tage bei einem Kommilitonen übernachten. Napa Valley war auch nicht fern (und ich hatte sogar das Glück Fahrer sein zu dürfen). San Francisco ist eine sehr schöne Stadt, insbesondere der Hafen (Fisherman’s Wharf). Neben der Golden Gate Bridge und Alcatraz gab es auch in der Stadt selbst einiges zu sehen. Leider waren die Motels hier teurer als sonst (rund 100$ für uns 5). In Sacramento sind wir zufällig auf die feierliche Einweihung des Christmas-Trees gestoßen – kein geringerer als der Governator hat die Zeremonie veranstaltet. Seltsam waren nur die vielen Fischer auf dem Capitol.

Nach gut 2 Wochen haben wir uns auf dem Highway 1 langsam in Richtung Los Angeles gemacht. Highway 1 führt direkt an der Küste entlang, viele Kurven, keine Absperrungen („if your car falls down the cliff, nobody is gonna find you. Really. You’re just gone. Happens several times a year. Sometimes they find the car“). Atemberaubend. An einigen Stränden gab es auch Robben und See-Elephanten. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich noch einmal See-Elephanten in der freien Wildbahn sehe. Nach Aufenthalten in Monterrey und Santa Barbara ist unser Kalifornien Trip schließlich ausgeklungen. Gut 2500 Meilen haben wir zurückgelegt. Und dabei weniger als 150 $ gezahlt. Ob das an unserer „sparsamen“ Fahrweise, dem Auto oder den Benzinpreisen lag – darüber lässt sich nur spekulieren.

… die letzten Wochen vor der Winter Break

7. Januar 2009

Etwas verspätet, aber besser als nie die letzten Wochen am Union Graduate College (vor den Winterferien). Zusammen mit Tommy, Charlotte und Clarissa haben wir einen Freund in NYC besucht – der macht dort gerade Praktikum (oder besser: hat gemacht). An sich war geplant mit dem Auto nach NYC zu fahren, dann ist aber der Laptop unseres Fahrers den Geist aufgegeben hat und das Paper dass er schreiben sollte (und auch schon geschrieben hat) damit erst einmal im digitalen Nirwana verschwunden ist, sind wir dann um unseren geliebten Greyhound Bus doch nicht herumgekommen. In NYC angekommen habe ich dann auch gleich festgestellt, dass ich zwar meine Kamera dabei habe, der Akku aber noch zu Hause im Ladegerät ist (man will ja schließlich mit voller Batterie Fotos schießen können…).

Wir waren selbstverständlich auch in einer Broadway Show (Chicago). Leider war das Wetter an den folgenden Tagen dann eher mäßig. Aber trotzdem haben wir jede Menge gesehen: Wall Street, Chinatown, Central Park, … Chinatown ist ein wenig wie Globalisierung im kleinen: Little Italy wird immer kleiner, Chinatown boomt immer mehr und breitet sich weiter und weiter nach Little Italy aus. Man war innerhalb eines Blocks in einer völlig anderen Welt. Sogar McDonalds und Burger Kind haben ihre Speisen auf chinesisch angeboten. Mich persönlich hat Chinatown total begeistert. Vielleicht schaffe ich es eines Tages ja auch noch einmal nach Asien :-)

Wieder zurück an der Uni standen dann auch schon die Projektarbeiten und Finals an. Zusammen mit Charlotte und Louis (den französischen Austauschstudenten) habe ich eine Markteintrittstrategie für den europäischen Markt für Ross Valve erarbeitet. Ross Valve ist auf Ventile (Druckreduzierventile,…) spezialisiert und möchte auch auf dem europäischen Markt aktiver werden. Besonders interessant war die ausführliche Werksführung (ich hätte davor nicht gedacht, dass Druckreduzierventile interessant sein können). Das Ergebnis unserer Arbeit (wir hatten natürlich einen europäischen Heimvorteil…) hat schließlich auch alle Beteiligten überzeugt. Mir hat die Arbeit großen Spaß gemacht.

Eine sehr witzige und fröhliche Erfahrung war auch Halloween. Wir Austauschstudenten haben uns natürlich auch ordentlich in Schale geschmissen (es gab mehrere Kostümierungsläden). Etwas verwunderlich war, dass in den Läden alles, was an eine Schußwaffe erinnern hätte können knallbunt war. Obwohl ich als Zombiedoktor keine Waffen gebraucht habe hat mich doch der Grund interessiert. Es lag nicht daran, dass alle „echt aussehenden Waffen“ schon ausverkauft waren sondern: man sollte nicht den Eindruck erwecken können man habe eine echte Waffe. Wenn man demnach einen nicht neon-gelben Revolver für sein Cowboy Kostüm möchte muss man schon in den Supermarkt gehen und sich einen echten Revolver kaufen.

Boston

13. Oktober 2008

Inzwischen habe ich mich ganz gut in den USA eingelebt – wir haben auch seit längerem ein Auto, dass uns mehr oder weniger zuverlässig transportiert. Unser “Buick” hat auch an der Uni relativen “Kultstatus” weil es ihn schon so lange gibt. Er heisst einfach nur “THE CAR”. Sogar die Versicherung kennt das Auto noch aus früheren Tagen. Glücklicherweise sind wir nicht ganz so fußfaul – das Ding schluckt ganz schön viel Sprit. Vor zwei Wochen waren wir in Albany auf einem PhD Colloqium (das vom MIT und der University Albany veranstaltet wurde). War sehr interessant, insbesondere das “coming together” am Abend war prima. Dieses Wochenende ging es schließlich nach Boston (mit den Französinnen und anderen Deutschen). Boston ist eine fantastische Stadt – wir hatten aber auch Rießenglück mit dem Wetter – über 20 Grad und nur Sonne. Leider endet in Boston das “öffentliche” Nachtleben um 2 Uhr, da schließen dann alle Clubs. Irgendwie haben wir dann den einzigen Club gefunden, der noch bis 6 Uhr geöffnet hat – da waren dann auch fast nur “nicht-amerikaner”. Man hat sich mit sehr vielen Leuten auf deutsch unterhalten könnnen. Boston wirkt generell sehr europäisch und jung. Die Unis um und in Boston tragen da sicher ihren Teil dazu bei… Am Harvard Square war dieses Wochenende auch “Octoberfest” (mit “beer garden”). Gute Stimmung, aber keine Bierzelte. Und der “beer garden” erinnert hat eher an eine Polizeiabsperrung erinnert. Oder an Massentierhaltung. Das MIT und Harvard waren sehr sehr beeindruckend. Alles in allem ein prima Wochenende in Boston. War sicherlich nicht das letzte :-)