Entwicklung der Reisebranche – Gottesauer Hof

Eher zufällig stieß unser Mitarbeiter Fabian vor kurzem auf eine Postkarte aus längst vergangener Zeit, die bei einem bekannten Online-Auktionshaus unter dem Hammer lag. Das Bemerkenswerte an dieser Postkarte ist aus unserer Sicht allerdings nicht der Sammlerwert der Briefmarke, sondern, dass die Fotografie auf der Postkarte unseren Firmensitz abbildet und in diesem Gebäude ursprünglich ein Hotel beheimatet war. Wir staunten nicht schlecht darüber, dass die Entwicklung der Reisebranche, vom konventionellen Hotelbetrieb hin zur Online-Privatunterkünfte-Vermittlung sich sogar in der Historie unserer Räumlichkeiten zeigt. Dies ist für uns Anlass, uns einmal mit „unserer“ Geschichte zu beschäftigen.

Hotel Gottesauer Hof 1928

Bau des Gebäudes

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte in Karlsruhe die illustre und angesehene, jüdische Familie Fuchs, die es vor allem durch Holzhandel zu einem beträchtlichen Wohlstand gebracht hatte. Dieser Familie entsprang auch der Komponist und Architekt Richard Fuchs, der im Jahre 1926 für seinen Onkel Arthur Fuchs das Gebäude errichtete, in dem wir heute unserer täglichen Arbeit nachgehen.

Gottfried Fuchs, der jüngere Bruder des Architekten Richard Fuchs übrigens war ein bekannter Fußballspieler, der es nicht nur in die deutsche Nationalmannschaft schaffte, sondern mit dreizehn Toren aus sechs Spielen auch bis heute über die beste Torquote verfügt, die je ein deutscher Nationalspieler erreicht hat. Im Länderspiel gegen Russland bei den Olympischen Spielen 1912 gelangen im gar 10 Treffer. Der spätere Weltmeistertrainer Sepp Herberger, der Fuchs freundschaftlich verbunden war, sah in ihm sein großes fußballerisches Idol, den „Franz Beckenbauer seiner Jugend“.

Lange konnte die Familie Fuchs von den Nazis weitgehend unbehelligt in Karlsruhe leben, auch nachdem die Durlacher Allee 1933 in Robert-Wagner-Allee umbenannt wurde. Robert Wagner war ein Nazi der ersten Stunde und auch schon am 9. November 1923 am nationalsozialistischen Putsch-Versuch in München beteiligt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er badischer Gauleiter und Reichsstatthalter, also eine Art Landesoberhaupt von Baden. Ende der dreißiger Jahre emigrierten die meisten Mitglieder der Familie Fuchs nach und nach in Richtung Kanada, in die Vereinigten Staaten und andere Länder. Richard Fuchs reiste 1939 aus dem Deutschen Reich aus und ließ sich in Neuseeland nieder.

Hotel Gottesauer Hof 1928

Hotelbetrieb

Mehrere Jahrzehnte diente das Gebäude in der Durlacher Allee 53 unter dem Namen „Hotel-Restaurant Gottesauer-Hof“ der Beherbergung von Reisenden in Karlsruhe. Dies belegt auch die Postkarte, mit der ein Gast eben jenes Hotels am 11. April 1928 seiner Mutter von seiner Ankunft in Karlsruhe berichtet. Einer der ersten Pächter war der, auf der Postkarte vermerkte, Franz Berlinghof. Möglicherweise handelt es sich dabei um denselben, der ab 1906 Brunnenmeister in Plankstadt war und später wegen Einbruchdiebstahls in Muggensturm angeklagt war.

Auch heute noch erinnert vieles im Gebäude der Durlacher Allee 53 an diese längst vergangene Zeit, wie z.B. die imposanten, symmetrisch angeordneten Altane und die Figur der Fortuna zu Pferde, die über dem Eingang angebracht ist. Die ursprüngliche Fassade ist der heutigen, wie auf den Bildern erkennbar noch immer sehr ähnlich.

Hotel Gottesauer Hof 2014

Büroräume und Gründerzentrum

1960 änderte sich Nutzung der hier vorhandenen Räumlichkeiten und es entstanden Büros und Wohnungen. Eine Kleinigkeit aus Zeiten des Hotelbetriebs blieb jedoch erhalten: Bis heute ziert eine verheißungsvolle Tresortüre eine Wand im Flur des zweiten Obergeschosses. Schon des Öfteren haben wir uns in der Mittagspause die Zähne daran ausgebissen, die Kombination zu erraten, doch bis heute haben wir keinerlei Kenntnis über den Inhalt.

Seit 1986 ist in der Durlacher Allee 53 das Gründerzentrum der Stadt Karlsruhe beheimatet, in dem auch gloveler seit fünf Jahren ansässig ist. Das Gebäude, das vor fast einem Jahrhundert Reisende beherbergte, ist heute also Sitz eines Unternehmens, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Plattform für Privatunterkünfte zur Verfügung zu stellen und so die Reisebranche zu revolutionieren.



Bilder mit freundlicher Genehmigung von www.briefmarkenhaus-dresden.de

19. August 2014

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