Reisegeschichten: Der englische Krieger

Liebe Leser,

nachdem der Jahreswechsel, ein sprunghaft angestiegenes Volumen an Buchungen und Buchungsanfragen und die Wintermüdigkeit das Blog etwas durcheinandergewirbelt haben, ist es heute an der Zeit die vorletzte Geschichte unserer beliebten Kategorie „Reisegeschichten“ zu veröffentlichen.

Auch diesmal ist es wieder ein Bericht darüber, wie man Menschen auf eine ganz besondere Art kennenlernen und ihnen helfen kann, wenn man an der uralten Tradition der Gastfreundschaft teilnimmt:

Selten kommen Menschen zu uns, weil sie Erholungsurlaub machen wollen, denn unsere Unterkunft befindet sich in der Stadtmitte und verfügt nicht über die üblichen Wellness-Programme oder Naherholungsgebiete.

So war ich etwas überrascht, als ein älterer Gast an die 80 Jahre aus Großbritannien zu uns kam. Anderseits, dachte ich mir, ist es doch eine tolle Idee, günstig den Alltag zu unterbrechen…Es muss sehr langweilig sein auf das Ende zu warten…

Und weil der alte Mann sehr nett war, entschied ich mich, mich um ihn zu kümmern. Ich lud ihn zum essen ein und gab ihm zahlreiche Tipps für seinen Aufenthalt in meiner Stadt.

Sonntags, einen Tag vor seiner Abreise, verschwand er in der Frühe. Ich freute mich über den „freien“ Tag. Am Abend ließ er jedoch länger auf sich warten, und ich begann mir Sorgen zu machen…

„Oh, Sie sind wieder da, wie schön“ sagte ich am späten Abend „ich habe mir Sorgen gemacht…Ist alles in Ordnung?“

Verlegen lachte er:

„Ich weiß nicht, wie ich erzählen soll“ – ich wartete, dass er sich mir gegenüber öffnete…

„Also, es ist so…“ er räusperte sich. „Ich war in Deutschland als Soldat stationiert, und hier habe ich meine Frau kennen gelernt. Zusammen zogen wir später nach England, dort haben wir unsere Kinder großgezogen. Neulich, kurz bevor sie starb, hat sie mich gebeten ihre Asche in Deutschland, in ihrer Geburtsstadt zu begraben, deswegen bin ich mit ihrer Urne hierher gekommen. Heute, als ich dann am Friedhof war, stellte ich fest, dass die Tore alle verschlossen waren…Es war schrecklich für mich, ich wusste nicht, was ich machen sollte…bis ich auf die Idee gekommen bin, die Asche durch den Zaun hindurch zu verstreuen…also stand ich auf meinen Zehenspitzen, öffnete die Urne und warf den Inhalt über den Zaun…“

Er schwieg einen Moment lang „glauben Sie, dass es so in Ordnung war? Was hätte ich sonst tun können, ich musste es tun bevor ich sterbe, ich habe es ihr versprochen.“

Leise rannen ihm ein paar Tränen über die Wangen.

Ich strich ihm über den Rücken. „Das haben Sie genau richtig gemacht. Sie ist bestimmt froh, wieder zu hause zu sein.“

Demnächst an dieser Stelle dann: die Abstimmung, welche Geschichte von Ihnen ausgezeichnet werden wird. Der Gewinner erhält für zwei Monate eine Premium-Mitgliedschaft, wodurch das entsprechende Inserat des Vermieters in Suchergebnissen hervorgehoben dargestellt wird, bei Buchungsanfragen bevorzugt behandelt wird und mehr Bilder sowie ein Video hinzugefügt werden können.

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31. Januar 2011

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