Eine Reisegeschichte: Peruanisch kochen

Liebe Leser,

während die ersten stürmischen Novembertage den Spätherbst einläuten freue ich mich, Ihnen erneut eine schöne Reisegeschichte – diesmal wieder von einer Vermieterin – vorstellen zu können.

Ähnlich wie bei unserer ersten Geschichte der koreanischen Spezialitäten im Thüringer Wald geht es hier um eine Begegnung mit fremden Kochkünsten in unserem B&B Karlsruhe:

Diesmal sollte es peruanisches Essen geben: Ceviche.

Mein Gast, der weder Englisch noch Deutsch sprach, freute sich über die Möglichkeit wieder mal ein vertrautes Essen für sich zu kochen. Es ist immer wieder schön mit meinen Gästen gemeinsam zu kochen und zu essen. So lerne ich neue Speisen und Kulturen kennen und freue mich über eine familiäre Atmosphäre in meinem Bed and Breakfast.

Ich habe die Zutaten besorgt; frisches Fischfilet, viele Limetten und scharfe Peperoni und fragte ob wir früh am abend essen könnten, da ich später noch eine andere Verabredung hatte…

Schon am Mittag schnippelte mein peruanischer Gast die Zutaten, legte sie in eine Plastikschüssel und ging in sein Zimmer. Abends, zur verabredeten Zeit saßen wir alle am Tisch, aber der Koch blieb weg… Höflich und geduldig warteten wir auf ihn, und hofften dass es bald Essen geben würde, jedoch vergebens.

„Hat er uns vergessen?“ – „Hat er nicht verstanden?“ – „Wann fängt er endlich an zu kochen?“, rätselten wir.

Unsicher klopfte ich später an seine Tür und machte ein fragendes Gesicht, legte mein Hand auf mein Bauch als Zeichen für Hunger…da sprang er sofort in die Küche, stellte die Schüssel auf dem Tisch mit dem rohen Fisch, und strahlte. „¡buen provecho” sagte er.

Nun stand ich auf und bot ihm eine Pfanne an, zeigte auf die Uhr, die Zeit ist knapp!

-„no, no, la comida ya está cocinada!”

“er behauptet, das Essen sei gekocht” erkläre ich den anderen am Tisch.

“vielleicht kann er den Herd nicht an machen” sagte jemand und machte den Herd an.

Jetzt fing er an, ein verzweifeltes Gesicht zu machen…”está cocinada, está cocinada!”

Nun war ich auch verzweifelt, und überlegte wie ich ihm helfen sollte…bis ich auf die Idee kam, das Rezept für „Ceviche“ im Internet nachzuschauen ob er dazu noch etwas brauchte.

“Durch die Zitronensäure der Limetten kommt es zur Denaturierung. Das Eiweiß im Fisch reagiert ähnlich wie beim Kochen.” stand dort geschrieben…

Vorsichtig aßen wir diesen „rohen“ Fisch…und mit jedem (scharfem) Bissen habe ich es mehr lieben gelernt.

Sie sehen: „kochen“ kann man auf vielerlei Arten und nicht immer muss der Weg zum Ergebnis der gleiche sein, den man schon immer gewählt hat.

Lassen Sie sich von fremden Kulturen bei einer Reise z.B. nach Bangkok verzaubern – oder beeindrucken Sie Ihre Gastgeber in Südafrika (z.B. Cape Town) oder in Bulgarien (z.B. in der Nähe von Sofia) mit deutschen Kochkünsten. Denn nicht nur die Liebe, sondern auch gutes Miteinander gehen oft durch den Magen und Zwiebelkuchen ist in manchen Gegenden genauso exotisch wie gebackene Mehlwürmer hierzulande.

3. November 2010

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